Reiche wollen sich mit Teenager-Blut verjüngen

Die Reichen und Mächtigen im Silicon Valley versuchen mit allen Mitteln, ihre biologische Uhr zurückzudrehen. Eine Firma hilft ihnen dabei.

Ein Start-up-Unternehmen in Kalifornien experimentiert mit einer Therapie, die den  Alterungs- prozess beim Menschen aufhalten soll. Für 8'000 Dollar kann sich eine Testperson, die älter als 35 Jahre ist, eineinhalb Liter Blutplasma von Spendern unter 25 verabreichen. Wie Fir- mengründer Jesse Karmazin (32) an der Codekonferenz in Los Angeles vergangene Woche mitteilte, hätten sich bereits 100 Probanden für die Verjüngungskur angemeldet.

Die Klientel des Unternehmens Ambrosia LLC bestünde mehrheitlich aus Personen im Ren- tenalter aus dem IT-Bereich, sagte Karmazin bei seiner Präsentation. Wie das US-Portal «Mashable» schreibt, kaufe die Firma Teenagern ihr Blut ab, um es an Reiche in Silicon Valley weiterzuverkaufen — obwohl es völlig ungewiss sei, ob die Plasmatransfusionen auch tatsächlich etwas nützten.

Woher kommt der Hype um das Frischblut?

Die Tests hätten bis jetzt «nur positive Resultate» hervorgebracht, beteuerte Karmazin, der Medizin an der renommierten Universität Stanford studierte. Laut CBS News begann er mit jungem Blut zu experimentieren, als er von Untersuchungen bei Mäusen hörte, bei denen die Behandlungen mit Plasma jüngerer Tiere eine Verbesserung im Gedächtnis der älteren Tiere zeigten. Die Debatte um ein angebliches Verjüngungselixier kursierte 2016 erstmals in den Medien, als Paypal-Mitgründer Peter Thiel (49) öffentlich zugab, sich für Blutkuren zu interes-sieren.

Kritik an Methode ohne Placebogruppe

Das Vorgehen von Ambrosia wird vor allem von Neurowissenschaftler Tony Wyss-Coray kriti- siert, weil bei Karmazins Methode keine Placebo-Probanden verwendet werden. Das heisst, alle Ambrosia-Kunden erhalten Frischblut und keinem wird ein Scheinprodukt verabreicht. «Es gibt bisher keine klinische Evidenz, dass die Methode hilfreich ist», meinte der Forscher gegenüber der Zeitschrift «Science». «Hier werden das Vertrauen der Teilnehmer und das grosse öffentliche Interesse missbraucht.»

Die Teilnehmer zahlten einen happigen Preis für die Transfusionen, lautete die Antwort des Ambrosia-Chefs. Man könne darum niemandem ein Placebo geben. Die Studie sei aber ge-nug aussagekräftig, wenn man am Schluss die Vorher-nachher-Werte der Teilnehmer analy- siere. Gegenüber «Mashable» zeigte sich Karmazin vorsichtig und versprach keine Märchen von Unsterblichkeit. Eher gehe es ihm darum, zu wissen, ob sich mit dem Blut junger Men- schen allenfalls die biologische Uhr älterer Menschen wieder zurückdrehen lasse.