News - Rund um das Rettungswesen

27.11.2016

Bergung von Elektroautos ist gefährlich für Retter

Bei Unfällen mit Elektro- und Hybridautos müssen Rettungskräfte be-sonders aufpassen. Der Hochvoltstrom könnte sie selber in Gefahr bringen.

Es passiert auf der A 13, beim Anschluss Reichenau GR. Der Fahrer verliert die Kontrolle über seinen schwarzen Tesla Modell S. Der Wagen kollidiert mit der Ausfahrtstafel, knallt auf die Leitplanke und landet auf dem Rasen dahinter. Verletzt wird niemand. Aber zur Bergung des Elektroautos müssen die Spezialisten von der Stützpunktfeuerwehr Chur anrücken. Wenige Monate zuvor, im März 2016, kommt es auf der Autobahn A 1 bei Kernenried BE zu einem Crash. Ein Elektroauto prallt gegen den Anhänger eines Werkhoffahrzeugs, das für Arbeiten auf dem Überholstreifen im Einsatz ist. Die Ambulanz bringt den Lenker ins Spital, für die Bergung des Elektroautos muss die Berufsfeuer- wehr aus Bern aufgeboten werden.

 

Elektroautos sind an sich nicht gefährlicher als herkömmliche Fahrzeuge. Doch bei einem Unfall rasch zu erkennen, ob es sich um ein Stromfahrzeug handelt, kann für Polizisten, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute lebenswichtig sein. Durch die Kabel im Wagen fliessen bis zu 450 Volt. Zum Vergleich: Aus einer Steckdose kommen 230 Volt. Mehrere Hundert Volt können tödlich sein.

 

«Sicherheitsrisiken» beim Umgang mit Elektroautos

 

45 600 Stromfahrzeuge waren 2015 auf den Schweizer Strassen unterwegs. In diesem Jahr wurden bis im Oktober 2700 Elektroautos und 8600 Hybridfahrzeuge neu zugelassen. Ein Hybrid hat zwei Antriebssysteme, einen Benzin- oder Dieselmotor und einen Elektromotor. Die Kombi-Fahrzeuge boomen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres nahm die Zahl der Zulassungen im Vergleich zur Vorjahresperiode um satte 24 Prozent zu. Bei Unfällen stellen diese Fahrzeuge die Einsatzkräfte vor neue Herausforderungen. In einer 25-seitigen Infor-mationsbroschüre warnt die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (Ekas) vor den «hohen Sicherheitsrisiken», die es bei einem unsachgemässen Umgang mit den Hochvoltsystemen in Elektro- und Hybridfahrzeugen gebe. Von den Unfallwagen gingen «besondere Gefährdungen» aus, etwa Stromschläge und Lichtbögen, was zu Verbren-nungen, Augenschäden und Herzrhythmusstörungen führen könne – bis hin zu «Herzstillstand, Atemstillsand und Tod».

 

Zum Schutz tragen Rettungskräfte beim Hantieren an verunglückten Stromfahrzeugen Elektro-Gummihandschuhe, die bis 1000 Volt isolieren, darunter Kevlar-Handschuhe als Hitzeschutz. Kurt Bopp, 60, kennt die Gefahren. Er ist Instruktor bei der Berufsfeuerwehr von Schutz & Rettung Zürich, der grössten zivilen Rettungsorganisation der Schweiz. «Wenn das Auto normal funktioniert, kann man den Zündschlüssel ziehen, um das Antriebssystem in einen sicheren Zustand zu bringen», sagt er. «Aber wir haben es meist mit stark beschädigten Fahrzeugen zu tun, da funktioniert vieles nicht mehr so, wie es sollte.». Bopp weiss von mehreren Unfällen und Bränden, bei denen die Karosserie eines Elektroautos noch unter Spannung stand. In einem Fall habe man sogar noch drei Wochen später eine Spannung von 158 Volt festgestellt. «Und dieses Fahrzeug war völlig ausgebrannt.»

 

Vor zwei Monaten haben die Experten von Schutz & Rettung die Zürcher Kantonalpolizei im Umgang mit E-Mobilen geschult, und auch die Zürcher Stadtpolizei schickt alle Rekruten in den Kurs, damit sie die Sicherheitsregeln kennen. Doch längst nicht alle Sicherheitskräfte nutzen die Ausbildungsangebote. An der Interkantonalen Polizeischule im luzernischen Hitzkirch wurden dieses Jahr vier Weiterbildungskurse über «Gefahren Hybridfahrzeuge» angeboten – sie mussten wegen zu geringer Teil- nehmerzahl wieder abgesagt werden.

Für fast alle Fahrzeugtypen gibt es «Rettungskarten»

 

Dabei ist es oft schon schwierig genug, festzustellen, welche Technologie in einem Unfall- wagen steckt. Elektro- und Hybridfahrzeuge unterschieden sich äusserlich meist kaum von normalen Autos. «Es gibt Feuerwehren, die Laptops mit speziellen Programmen benutzen, um charakteristische Merkmale zu erkennen», sagt Christian Stieger vom Schweizerischen Feuerwehrverband. «An Hochvoltfahr- zeugen sind zum Beispiel die meisten Kabel orange, um zu signalisieren, dass hier Hochvoltstrom fliesst.»

 

Hilfe würden auch die sogenannten Rettungskarten bieten, die es für fast alle Fahrzeugtypen im Internet gibt. Die technischen Datenblätter zeigen zum Beispiel, wo die elektrischen Leitungen verlaufen. Doch nicht jeder Automobilist hat die Karte im Wagen unter der Sonnen- blende deponiert, wo sie die Rettungskräfte suchen.

Jetzt will der Feuerwehrverband zusammen mit der Vereinigung der Berufsfeuerwehren und der Feuerwehrkoordination Schweiz nach einer Möglichkeit suchen, um am Unfallort anhand des Kontrollschilds die Rettungskarte eines Unfallwagens aus einer Datenbank abrufen zu können.

Manchmal aber sind selbst Profis hilflos. Im September starb in den Niederlanden der Fahrer eines Elektroautos am Unfallort. Die Retter konnten den Mann erst nach Stunden bergen – sie mussten befürchten, dass die Karosserie des Fahrzeugs unter Strom stand. (Sonntagszeitung)

 

07.06.2016

Defibrillatoren ab 2017 in SBB-Fernver-kehrszügen

Ab 2017 soll es in Doppelstockzügen auf langen Verkehrsstrecken Defibril-latoren in den Zügen geben.

Der Tessiner CVP-Nationalrat Fabio Regazzi hat die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels zum Anlass genommen, dem Bundesrat die Frage nach Defibrillatoren in SBB-Zügen zu stellen.

«Mit der Eröffnung des längsten Tunnels der Welt (57,4 Kilometer) wird es künftig unmög- lich sein, den Zug bei einem gesundheitlichen Notfall anzuhalten», konstatierte Regazzi. Tatsächlich stellt sich heraus, dass diese Geräte, die bei einem Herzstillstand das Leben retten können, in SBB-Zügen nicht mitgeführt werden.

Noch nicht: Gemäss der Antwort aus dem Verkehrsdepartement (UVEK) ist die Einführung von Defibrillatoren auf Doppelstockzügen der Ost-West-Strecke ab 2017 geplant. Auf der Nord-Süd-Strecke sollen sie ab 2019 einsetzbar sein. Das Personal werde entsprechend geschult.

Die TGV-Züge, die in der Schweiz verkehren, führen die Geräte bereits mit. Auch zahlreiche Bahnhöfe sind mit Defibrillatoren ausgerüstet.

06.05.2016

Blutstillender Spray könnte Leben retten

Bisher lassen sich bei Verletzten heftige Blutungen am Rumpf kaum stillen. Nun haben Forscher ein Mittel gefunden: einen Spray aus den Schalen von Krebstieren. Prof. Roland Bingisser, Chefarzt des Notfallzentrums am Uni- versitätsspital Basel, hofft, dass mit dem Sprühschaum heftige Blutungen gestoppt werden können.

Claudia Weiss wissen@luzernerzeitung.ch

 

Die klaffende Bauchwunde blutet heftig. Die Zeit, den Patienten für den lebensrettenden Eingriff ins Spital zu bringen, wird knapp – der Albtraum aller Rettungssanitäter und Not-fallärztinnen. Das könnte sich ändern: US-Forscher haben einen Spray entwickelt, der direkt in die offene Wunde gesprüht werden kann. Dort dehnt er sich rasch aus, ähnlich wie Rasierschaum, und verschliesst das Loch innert Sekunden. So kann der Blutverlust um fast 90 Prozent vermindert werden.

Wie dieser Sprühschaum funktioniert, haben die Forschenden bei Schweinen unter-sucht. «Schweine haben einen sehr ähnlichen Blutkreislauf wie Menschen und eignen sich daher ausgezeichnet für unsere Versuche», erklärt Matthew Dowling, Biomedizin-techniker von der Universität Maryland. Die Forscher schnitten narkotisierte Testschwei-nen zunächst ein Stück der Leber heraus. «Die so verursachte Blutung waren ohne Be-handlung tödlich ge- wesen», sagt Dowling. Der Schaum hingegen verschloss die Wunde innert Sekunden und stoppte die Blutung – ohne äusseren Druck auf die Wunde.

Chitosan verklumpt Blutzellen

Das ist vor allem dem Inhaltsstoff Chitosan zu verdanken, einer zähen, farblosen Substanz aus den Schalen von Krebstieren. Chitosan wirkt, in dem es die Blutzellen zum Verklumpen bringt. Für ihren Sprüh-schaum haben die Forschenden die Substanz im Labor so modifi- ziert, dass sie das Blut noch wirksamer stillt. Matt Dowling erwartet demnächst die Zulas- sung durch die amerikanischen Behörden: Chitosan ge-tränkte Kompressen sind in den US aber bereits für den Gebrauch bei Menschen zugelassen, der Sprühschaum jedoch wurde erst an Schweinen getestet.

«Prinzipiell wäre er aber eine tolle Sache», sagt Roland Bingisser, Chefarzt des Notfall-zentrums am Universitätsspital Basel und Herausgeber des medizinischen Ratgebers «Notfall-Standards». «Heute kommt die Hälfte jener Verletzten, die eine Schuss- oder Stichwunde am Rumpf erlitten haben, nicht lebend in einer Notfallstation an.» Bei grossen, stark blutenden Wunden am Rumpf müssen sich Rettungsteams aktuell damit behelfen, die Wunde mit Tüchern zu verstopfen oder mit Fibrinpflastern zu versorgen. Doch das hilft nur begrenzt: «Heftige Blutungen können wir auf diese Weise heute noch nicht stoppen», sagt Bingisser. Schafft der Sprühschaum das eines Tages auch bei Menschen, plant Bingisser, ihn in seine Notfall-Standards aufzunehmen.

19,08.2015

Neue Ambulanz für die Kleinsten

Gerade für Frühgeborene ist der Transport ins Kinderspital heikel. Mit einer neuen Spezialambulanz können sie während der Fahrt optimal versorgt werden

Sarah Weissmann sarah.weissmann@luzernerzeitung.ch

 

Rund 150 Früh- und Neugeborene müssen jährlich aus der gesamten Zentralschweiz so- wie dem Tessin ins Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals (Luks) verlegt werden. Be- nötigt ein Neugeborenes in den umliegenden Spitälern also mehr medizinische Hilfe als erwartet, ist es bislang mit der gewöhnlichen Ambulanz nach Luzern transportiert worden. Vor allem für die zu früh geborenen Babys bedeutet ein solcher Transport aber immer Stress.

Aus diesem Grund investiert das Luzerner Kantonsspital 250 000 Franken in eine neue Babyambulanz, die ab September für die heiklen Transporte im Einsatz stehen wird. «Mit der Babyambulanz wird der bestmögliche und schonendste Transport ins Kinderspital gewährleistet», schreibt das Luzerner Kantonsspital in einer Mitteilung.

Speziell geschultes Personal nötig

Nötig wird die Babyambulanz beispielsweise, wenn in der Hirslanden-Klinik St.Anna ein Baby zu früh zur Welt kommt. Da für die Versorgung von kranken Früh- und Neugeborenen speziell geschultes Personal nötig ist, sind die Ärzte der Neo-Intensivstation des Luzerner Kantonsspitals bereits im St. Anna anwesend. «Die Klinik St. Anna unterhält in Zusammen-arbeit mit dem Luzerner Kantonsspital einen neonatologischen Dienst rund um die Uhr», erklärt Patric Bürge, Mediensprecher Klinik St. Anna. Den Entscheid für eine Verlegung des Neugeborenen in das Kinderspital würden die in die Behandlung involvierten Ärzte treffen. «Eine Verlegung wird durch den Neonatologen begleitet.» Die Ambulanz komme aber auch dann zum Zug, wenn etwa im Kantonsspital Nidwalden ein Neugeborenes zur Welt komme und das Baby nach der Geburt eine kinderärztliche Dauerversorgung benötige, erklärt Anja Radojewski, Mediensprecherin des Kantonsspitals Nidwalden. Das sei dann der Fall, wenn beispielsweise der Verdacht auf einen Infekt bestehe.

Innerhalb von 5 Minuten parat

Nach Eingang eines Notrufs von einem auswärtigen Spital ist das Team der NeoIntensiv-station im Luks bei Bedarf innerhalb von 5 Minuten bereit. Der grösste Zeitbedarf besteht laut Luks im Fahrtweg. In Zukunft würden all diese Transporte mit der Babyambulanz durch-geführt. Die primäre Erstversorgung der Kinder müsse vor Ort gewährleistet werden, und jede Geburts­klinik müsse diese sicherstellen können.

Der Bedarf steigt

Da die herkömmlichen Rettungsfahrzeuge vorwiegend für die Rettung und Bergung von Kindern und erwachsenen Patienten eingesetzt werden, generiert die Babyambulanz laut Esther Schmid, ärztliche Leitung Rettungsdienst am Luks, einen «wertvollen Mehrwert in der primären Versorgung der Neugeborenen». Die Ambulanz sei gleichwertig mit einer Intensivstation nur halt eben auf Rädern. «Mit der Babyambulanz kann das Luzerner Kantonsspital auf die Bedürfnisse der kleinsten Patienten eingehen», sagt Schmid.

Zudem steige der Bedarf an spezialisierten Fahrten weiter an. «Durch die immer besser werdenden medizinischen Möglichkeiten in der Behandlung von beispielsweise Mehr- lingsgeburten, Frühgeburten oder schwangeren Frauen mit schweren Grunderkrankungen gehen wir davon aus, dass solche Einsätze tendenziell zunehmen», sagt Schmid. Denn das Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals sei das einzige Kinderspital in der Zentral-schweiz, und die Intensivpflegestation betreue als einzige in unserer Region kranke Früh- und Neugeborene. «Die Neue Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals gilt als Kompe-tenzzentrum für Risikogeburten. Deshalb haben auch die Rettungseinsätze zugenommen.»

Babys sind besser geschützt

Kernstück im Innern der Ambulanz ist die sogenannte Isolette eine Art Brutkasten für Früh- geborene. Sie stellt sicher, dass Neugeborene während der Fahrt warm genug gehalten werden können. «Die Isolette ermöglicht es, jederzeit medizinische Massnahmen vorzu-nehmen», sagt Schmid.

Die direkte Behandlungsqualität am Neugeborenen selber bleibe medizinisch hoch- stehend. «Verbessertes Platzangebot sowie die Einzugshilfe für die Isolette wie auch der erhöhte Fahrkomfort gehören zu den Neuerungen.»

Die Isolette wurde laut Esther Schmid bewusst so platziert, dass die Babys quer zur Fahrt-richtung liegen. «Dadurch ist der Säugling optimal bei unvorhergesehenen Bremsmanö- vern geschützt», sagt Schmid. Ausserdem würden so zwei Personen sitzend den kleinen Patienten gleichzeitig betreuen können. Mit an Bord seien neben dem Rettungssanitäter immer ein Kinderarzt und eine erfahrene Pflegefachperson der Kinderintensivstation.

Weniger Zusatzaufwand

Die neue Babyambulanz ist gemäss Schmid mit modernsten medizinischen Geräten aus- gestattet. «Kommt es zu einem lebensbedrohlichen Zustand, steht den Fachpersonen eine eigens konzipierte Behandlungseinheit mit integrierter Wärmelampe zur Verfügung.» Zwar seien Isolettentransporte bereits mit den bestehenden Rettungsfahrzeugen durchgeführt worden. «Zu diesem Zweck musste aber das Rettungsfahrzeug zunächst vorbereitet und mit kinderspezifischem Material ergänzt werden», erklärt Esther Schmid. Dieser Zusatzauf- wand falle nun weg, zudem sei mit der neuen Ambulanz ein neuer hochstehender tech- nischer Standard erreicht worden.

    Quelle: Neue Luzerner Zeitung vom 19.08.2015

22.04.2015

An Unfall vorbeigefahren – Gericht verhängt Busse

Die Genfer Justiz hat zwei Lenker verurteilt, die an einem tödlichen Raser-unfall vorbeigefahren waren. Der Anwalt einer der beiden kritisiert das Urteil.

Ein Buschauffeur und ein Autolenker sind von der Genfer Justiz wegen Unterlassung von Nothilfe zu bedingten Geldstrafen und Bussen verurteilt worden. Sie waren 2012 wenige Minuten nach einem tödlichen Raserunfall weitergefahren.

Der Anwalt des Buschauffeurs bestätigte am Mittwoch auf Anfrage einen entsprechenden Bericht von 20 Minutes. Er kritisierte zugleich den Schuldspruch, weil sein Mandant eine Minute und 40 Sekunden nach dem Zusammenstoss angekommen sei und bereits als elfter Fahrzeuglenker den Unfallort passiert habe.

 

Mit Tempo 110 in stehendes Auto geprallt

Es hätten sich bereits viele Menschen bei den verunfallten Autos befunden. Dennoch werde der Buschauffeur das Urteil wohl nicht anfechten, weil er einen Schlussstrich ziehen wolle, sagte der Anwalt.

Beim Unfall in Vernier GE kam ein Autofahrer ums Leben, der an einem Rotlicht gewartet hatte. Ein betrunkener Raser prallte nach einem Rennen mit Tempo 110 in das stehende Auto. Die Beteiligten des Raserrennens müssen sich voraussichtlich im Sommer vor Gericht verantworten.

12.12.2014

Prämienschub wegen Notfälle

Wer sich zu Hause notfallmässig abholen und ins Spital überführen lässt, muss seit An-fang Oktober tiefer in die Tasche greifen. Die Kosten für einen Notfalleinsatz des Rettungs-dienstes Luzerner Kantonsspital (Luks) sind gestiegen. Anstatt 250 Franken werden neu 900 Franken Grundpauschale pro Einsatz fällig. Das entspricht einem generellen Anstieg von satten 260 Prozent. Die neuen Tarifrichtlinien gelten seit August 2014 auch fürs Kan-tonsspital Nidwalden und voraussichtlich ab Januar 2015 auch in Uri. In anderen Kantonen wie etwa Zug (siehe Kasten) und rettungsdienstlichen Betrieben sind neue Tarife im Ge-spräch.

Der Kostenanstieg sei nur auf den ersten Blick so drastisch, betont auf Anfrage Christoph Konrad, der Chefarzt der Anästhesie und Rettungsmedizin im Luzerner Kantonsspital (Luks). «Die neue Grundpauschale ist umfangreicher und beinhaltet auch Positionen, die vorher neben der Grundtaxe jeweils für jeden Fall einzeln aufgeführt wurden.» Die Fahrdi-stanz beispielsweise oder die Wartezeit. Die Teuerung zu spüren bekommen also vor all-em jene Menschen, die nahe am Spital wohnen und früher zur Grundpauschale nur wenig Kilometergeld aufwenden mussten.


13 000 Einsätze pro Jahr

Der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals mit den drei Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen stellt gemäss eigenen Angaben für rund 340 000 Einwohner die notfall-medizinische Versorgung sicher. Dabei kommt es zu knapp 13 000 Einsätzen pro Jahr, 80 Prozent davon sind Notfälle/Rettungsdiensteinsätze, 20 Prozent sind Krankentransporte.

«Wir haben das Tarifsystem renoviert, weil es in die Jahre gekommen war», erklärt Konrad. Die Betriebskosten seien laufend gestiegen, der Betrag aber jahrelang nicht angepasst worden. «Der Rettungsdienst funktionierte seit rund fünf Jahren nicht mehr kostendeck-end.» Warum war das bisherige Tarifsystem nicht mehr zeitgemäss? Primäreinsätze (Not-fälle) und Sekundärdienste (Transporte zwischen Spitälern) seien nicht separat abgerech-net worden, sagt Konrad. «Neu stehen die medizinischen Leistungen und die effektiven Einsatzkosten im Zentrum.»


Kassen üben Kritik

Doch was bedeutet der Tarifanstieg für die Krankenkassen? Carole Sunier, Mediensprech-erin der CSS-Versicherung: «Der neue Tarif wird sicher zu höheren Kosten führen.» Wie hoch diese jedoch ausfallen werden, könne derzeit nicht beziffert werden. Auch Astrid Brändlin, Leiterin Unternehmenskommunikation der Concordia, sagt: «Grundsätzlich führen höhere Tarife wie dieser massive Anstieg der Grundpauschale für Notfalleinsätze zu einer Kostensteigerung in der Grund- und in diesem Fall auch in der Zusatzversicherung.» Dies schlage sich «in höheren Prämien» nieder. «Stossend ist vor allem auch, dass höhere Tarife für den Rettungsdienst zu höheren Selbstkostenanteilen für diejenigen Patienten führen, die nicht zusatzversichert sind.»


Immer mehr Patienten

Beim Luks erklärt man, dass der Aufwand in der Rechnung nun adäquat abgebildet werde. «Am meisten Aufwand und damit die grössten Kosten verursachen jene Fälle, die man nicht planen kann, also die Notfälle», so Konrad. Hier sei die Nachfrage in den letzten Jahren massiv angestiegen. «Die Zunahme der Anzahl Patienten beträgt hier jährlich 3 bis 4 Prozent. Die demografische Entwicklung ist ein Grund. Ein anderer ist das verbesserte Wissen bei medizinischen Laien. Früher ging man mit einem Ziehen in der Brust wenn überhaupt – eher zum Hausarzt. Heute wissen die Leute, dass es sich um einen Herzin-farkt handeln könnte, und wählen die Notrufnummer.»

Die Betriebskosten stiegen und steigen daher stetig. Enthalten sind darin die sogenannten Vorhalteleistungen. Konrad: «Infrastruktur, Fahrzeuge, Medikamente, medizinisches Equipment alles muss stets in einer gewissen Breite vorhanden sein.»

Gewachsen sei auch der Personalbedarf, nicht zuletzt weil man die Strukturen dem Arbeits-zeitgesetz habe anpassen müssen. Konkret: «Pikettdienste über 48 Stunden sind nicht mehr vertretbar und nicht mehr rechtens. Sie sind kostengünstiger als die Bezahlung von effektiver Präsenzzeit, die nun an ihre Stelle tritt.»

 

Zu oft ein Notarzt?

Den Vorwurf, dass die Voraussetzungen für das Aufbieten eines kosten­intensiven Notarztes zu grosszügig ausgelegt sind, kontert Konrad so: «Ist man bei der Disposition des Not-arztes zu zurückhaltend, läuft man eher Gefahr, Patienten in lebensbedrohlichen Situatio-nen zu verpassen.» In rund 15 Prozent aller Notfalleinsätze sei ein Notarzt dabei. Der Anteil der Notfalleinsätze mit Notarzt, in welchen dieser nicht zwingend nötig gewesen wäre, be-trage wiederum rund 15 Prozent.

Die Erhöhung der Grundpauschale ermögliche zudem wichtige Neuerungen. «Wir brau-chen ein gewisses Budget für die Innovation. Zum Beispiel haben wir automatisierte Reani-mationssysteme eingeführt, damit liegen wir im Trend. 2015 werden wir zudem einen Stor-chenwagen einsetzen. Hierbei handelt es sich um ein Notfallfahrzeug, das auf die Bedürf-nisse von Kindern ausgerichtet ist», so Konrad.

 

Günstiger: Transportfahrten

 Im Gegensatz zu den nun teureren Notfalleinsätzen sind die Kosten für Sekundäreinsätze günstiger geworden. Zwar steigt die Grundpauschale von 250 auf 550 Franken. Auch hier ist neu aber die Kilometer-/Fahrzeitabrechnung integriert. «Das macht die Preise insge-samt günstiger, weil zwischen den Spitälern grundsätzlich grössere Distanzen zurückzu-legen sind», erklärt Konrad. Etwa zwischen der Luzerner Höhenklinik Montana oder Zürich und Luzern. «Solche Einsätze sind eher planbar und können auf den Tag verteilt werden. Der Patient ist schon in einem Spital und wird daher bereits versorgt.» Die Kürzung der Ge-samtkosten für einen Einsatz würden hier je nach Dauer zwischen 100 und 600 Franken betragen. 

15.09.2014

Notruf setzt auf öffentliche Defibrillatoren

Zentralschweiz Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute und oft rettet ein Defibrillator Leben. Bisher aber kannte der Sanitätsnotruf die Standorte dieser Geräte nicht. Das ist nun anders.

Wenn das Herz aufhört, regelmässig zu schlagen, und wenn das Gehirn nicht mehr aus- reichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird, dann zählt jede Minute. Rund 10 000 Men- schen erleiden jährlich einen Herzstillstand. In der Schweiz gehören Herzinfarkt, Herzstill- stand und Hirnschlag zu den häufigsten Todesursachen.

Kein Wunder, haben immer mehr Städte, Gemeinden und Firmen in den letzten Jahren einen Laien-Defibrillatoreinen sogenannten Automatisierten Externen Defibrillator (AED) – gekauft. Um nur drei Beispiele zu nennen: Alle Baarer Schulhäuser sind dank einem Spender-Ehepaar mit Defibrillatoren ausgestattet. In Sursee will der Verein «Herzsicheres Sursee» nach dem Herztod von Otto Ineichen flächendeckend Defibrillatoren anschaffen. Und in Kriens wird abgeklärt, ob man die AED-Standorte öffentlich bekannt geben soll.

Enges Netz an Geräten ist nötig
Über diese Entwicklung ist Urs Bischof, technischer Leiter des Kantonalverbands Luzerner Samaritervereine, sehr froh: «Erleidet ein Mensch einen Herzstillstand, sind die Rettungs-chancen mit Reanimation und Defibrillator am optimalsten, wenn das Gerät innerhalb von fünf Minuten vor Ort ist.» Deshalb müsse das Netz der AED-Geräte engmaschig sein. Bischof erklärt: «Je mehr Geräte es gibt, desto höher sind die Überlebenschancen des Patienten. Allerdings sind Kompressionen und Beatmung nach wie vor das Wichtigste für die Wiederbelebung.»
Im Durchschnitt kommt es laut dem Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz monatlich zu einem AED-Einsatz, letztmals im Juli in Obwalden. Dort konnte dank des sofortigen Einsatzes des AED-Geräts und der First-Responder (ausgebildete erste Helfer) erfolgreich ein Leben ge- rettet werden.

Wo ist im Ernstfall ein solches AED-Gerät verfügbar? Eine Übersicht dazu hat bislang ge- fehlt. Deshalb hat der Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz, der im Luzerner Kantonsspital angesiedelt ist, vor einem Jahr eine Erhebung der AED-Standorte in der Zentralschweiz durchgeführt. Hintergrund: «Kommt via 144 ein Notruf bei uns rein, können wir den Helfer sofort darüber informieren, wo sich der nächstgelegene Defibrillator befindet. So gewinnen wir wertvolle Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft», erklärt Iris Weber, Leiterin des Sanitäts-notrufs 144. Eine öffentlich einsehbare Liste gibt es nicht, weil laut Weber der erste Schritt im Notfall der Anruf bei 144 ist. Kommt hinzu, dass viele dieser Geräte nicht rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind. Und der Sanitätsnotruf deren Standorte nur im Notfall auf direkte Anfrage bekannt geben darf.

Jetzt zieht Weber für unsere Zeitung erstmals Bilanz über dieses Projekt: Innerhalb dieses Jahres wurden beim Sanitätsnotruf 144 Zentralschweiz rund 420 AED-Geräte gemeldet und registriert. «Diese Zahl ist sehr erfreulich», sagt Weber. Denn es sei alles andere als selbstverständlich, dass Gemeinden oder Firmen aus Eigeninitiative einen Defibrillator anschaffen und ihn den eigenen Mitarbeitern oder der ganzen Öffentlichkeit frei zur Ver- fügung stellen. Je nach Modell kostet ein solches Gerät 3000 bis 7000 Franken. Doch die Arbeit ist für den Sanitätsnotruf 144 damit noch lange nicht getan. Weber stellt klar: «Wir stehen erst am Anfang.» Ziel ist es, möglichst viele Geräte zu erfassen. Inhaber neuer Ge- räte können ihren AED-Standort beim Sanitätsnotruf melden (notruf144@luks.ch). 

Im Tessin gibts erste Erfolge
Interessiert schauen Fachleute in den Kanton Tessin, der in diesem Bereich schweizweit als Vorbild gilt. Die Stiftung «Fondazione Ticino Cuore» hat seit 2005 mehrere Projekte umgesetzt. So zählt man heute rund 950 Defibrillatoren; 200 davon sind öffentlich zu-gänglich. Jeder Oberstufenschüler absolviert einen Nothelferkurs. Und es gibt ein Netz von gut 6000 First-Respondern. Das heisst, jeder Polizist und Feuerwehrmann, aber auch Privatpersonen, die einen Kurs absolviert haben und sich freiwillig melden, erhalten bei einem Herznotfall ein SMS mit den Koordinaten des Patienten. Diejenige Person, die am nächsten ist, rückt aus und reanimiert, bis der Krankenwagen eintrifft. Auch in der Zentral-schweiz bestehen neben anderen auch in Lungern oder in Risch solche First-Responder-Gruppen.

Die Massnahmen im Tessin zeigen Erfolg: Die Rate der Überlebenden ist in zehn Jahren von 9 auf 19 Prozent gestiegen. Treffen die Retter ein, wenn noch ein Kammerflimmern da ist, sind die Überlebenschancen gar bei 43 Prozent.

«Die Hemmschwelle ist hoch»
Jeder Laie kann ein AED-Gerät ohne Vorwissen bedienen. Doch kommt es tatsächlich zu einem Ernstfall, ist alles nicht mehr so einfach, wie es tönt. Samaritervertreter Urs Bischof sagt: «Wir beobachten, dass die Hemmschwelle, zu helfen, immer noch relativ hoch ist.» Ähnliche Beobachtungen macht Bischof ganz generell in der Ersten Hilfe. «Rein theoretisch haben viele Leute vom Nothelferkurs das Wissen, aber es ist leider auch schnell wieder vergessen.» Für den Experten gibt es nur einen Tipp: «Übung macht den Meister.» Bischof würde es befürworten, wenn man alle fünf Jahre einen Wiederholungskurs absolvieren müsste, um solche Notsituationen zu trainieren.

27.07.2014

Notfallstationen geht das Personal aus

Knapp 1500 Pflegefachleute fehlen der Schweiz jährlich. Zu wenig attrak- tiv sei der Job, sagen Fachleute. Jetzt übertrumpfen sich die Spitäler mit Prämien für vermitteltes Personal.

Die Spitäler haben zunehmend Mühe, genügend Pflegerinnen zu finden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally

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Pflegefachleute sind in der Schweiz stark gesucht. So stark, dass die Spitäler ver- suchen, sich mit immer höher werdenden Prämien gegenseitig bei der Rekrutierung zu übertrumpfen. Bis zu 25'000 Fachkräfte könnten 2020 in der Schweiz fehlen, wie eine Studie dem Schweizer Gesundheitswesen prophezeit.

23.05.2014

«Freebase kommt in der Szene immer mehr auf»

Der Konsum von Freebase führt zu einer starken psychischen Abhängigkeit

Starke psychische Abhängigkeit, extreme Angstzustände, Erschöpfung, Herzrythmusstörungen oder sogar Schlaganfall – die Folgen des Freebase-Konsums sind enorm. Wie die“ Gasse Ziitig Lozärn“ von einem Freebase-Süchtigen erfahren hat, «konsumieren viele Leute aus der Szene die Droge. Sie kommt immer mehr auf.»

 

Freebase ist eine Konsumform von Kokain. Anstatt das Kokain zu sniffen, wird es ge- raucht. Dafür muss man zuerst Kokain mit Ammoniak aufbereiten. Die Wirkungen beim Kokainrauchen sind aber anders als beim Kokainsniffen. Die sozialen und gesund- heitlichen Folgen sind schrecklich. «Man hat beim Base einen viel stärkeren Kick als beim Kokain. Die Wirkung von Kokain hält aber einiges länger an», so der Konsument. «Ich rate allen wirklich davon ab. Denn wenn man damit anfängt, ist es verheerend. Man kann mit dem Konsum fast nicht mehr aufhören.» Problematisch an der Droge ist laut der Gasse Ziitig unter anderem, dass Ammoniak sehr schädlich für die Lunge und die Atemwege sei. 

«Abhängigkeitspotenzial um ein Vielfaches höher»

Bei der Kriminalpolizei Luzern heisst es zum Freebase-Konsum in Luzern: «Wir beobach- ten wellenförmige Bewegungen. Gewisse Konsumformen können verschwinden und plötz- lich wieder aufkommen», sagt Joseph Lustenberger vom Ermittlungsdienst. Grundsätzlich befasse sich die Kripo meistens mit Dealern und habe nicht immer Einblick in die Formen des Drogenkonsums. Laut Lustenberger ist «das Abhängigkeitspotenzial von Freebase um ein vielfaches höher als beim Sniffen von Kokain».

 

Das Kokain, welches für den Freebase-Konsum benötigt wird, ist momentan zu tiefen Preisen erhältlich und wird darum auch mehr konsumiert. «Aktuell ist Kokain sehr günstig zu haben. Dies führt wiederum zu einem erhöhten Kokain-Konsum», sagt Rebekka Röllin vom Verein Akzent Prävention und Suchttherapie.

23.02.2014

Notfalldienst leisten – oder Busse zahlen!

Hausärzte und freie Ärzte im Glarnerland sind nicht zu beneiden. Ihnen droht eine «Notfall-Busse» von bis zu 15000 Franken, falls sie an Wochenenden, Feiertagen oder Abenden nicht mehr Notfalldien

Das Kantonsparlament hat einer entsprechenden Gesetzesregelung bereits zugestimmt. Formell muss diese im Mai noch von der Landsgemeinde abgesegnet werden.

Die Näfelser Ärztin und Homöopathin Martina Landolt (51) kritisiert die Notfall-Busse scharf: «Ein allgemeiner Notfalldienst ist nicht sinnvoll, die Ersatzzahlungen sind willkürlich. Oder würden Sie sich mit einem Herzinfarkt zum Dermatologen begeben?»

Andere Ärzte schlagen in die gleiche Bresche – für viele ist die Ersatzabgabe von mehreren Tausend Franken einer Art Polizeibusse. Landolt: «Meine homöopathische Praxis ist für Unfallversorgung gar nicht eingerichtet. Dafür kann ich doch nicht bestraft werden!»

Politisch unbestritten

Zudem ist nicht klar, wo die Grenze gezogen wird. Die Kriterien, wer die Abgabe zahlt und wer nicht, müssen von der Ärztegesellschaft festgelegt werden, sagt Samuel Baumgartner (30), Departementssekretär der Glarner Gesundheitsdirektion. Politisch ist das Vorhaben un-bestritten – auch bei der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). «Die Vorgabe ist klar, es braucht eine Grundlage im Gesetz, damit die Standesorganisationen eine Ersatz-abgabe erheben können», sagt GDK-Zentralsekretär ­Michael Jordi (51).

Ärzten droht Rauswurf

Im Kanton Bern ist eine fast gleichlautende Regelung bereits in Kraft. Und auch die Ärztege-sellschaft im Kanton Thurgau hat seit vorigem Jahr das Recht, eine Ersatzabgabe von maximal 5000 Franken zu erheben. Andere Kantone werden wohl nachziehen. Was passiert, wenn ein Arzt die Ersatzabgabe verweigert? Ganz einfach: Dann droht der Rauswurf aus der Ärztegesellschaft – und damit steht auch die Praxisbewilligung auf dem Spiel.

23.02.2014

Mit Poppers ins Spital

An zwei Fasnachtsbällen in Kriens und Ruswil haben zwei Männer Poppers konsumiert und mussten ins Spital. Der Konsum des Rausch-mittels endete auch schon tödlich.

An den Fasnachtsbällen «Fapa» in Kriens und «Toxic» in Ruswil mussten am vergangenen Samstag zwei 22-jährige Männer in Spitäler eingewiesen werden. Beide hatten chemische Substanzen mit Rauschwirkung - so genannte Poppers - konsumiert.

Laut Medienmitteilung der Luzerner Staatsanwaltschaft vom Montag hatten die beiden Män-ner das Rauschmittel fälschlicherweise getrunken statt inhaliert. «Der Mann aus Kriens erhielt den Popper von einem Unbekannten», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Obwohl er nur einen Schluck in den Mund nahm und die Flüssigkeit gleich wieder ausspuckte, musste er von Kollegen in die Permanence in Luzern gebracht werden. Anschliessend wurde er ins Kantonsspital verlegt. Noch schlimmer erging es dem Mann, der die Toxic in Ruswil besuchte. «Gemäss ersten Ermittlungen, geht man davon aus, dass er das Fläschchen aus-trank, weil er dachte es sei ein Shot», sagt Kopp weiter. Anschliessend wurde er bewusstlos und musste auf die Intensivstation gebracht werden. Laut Kopp gab es auf dem Platz Luzern bisher keine ähnlichen Vorfälle.

Konsum kann tödliche Folgen haben

Wie fatal der Rausch enden kann, wenn das Fläschchen getrunken statt inhaliert wird, zeigte sich im Januar 2012: Eine 21-jährige im französischen Grenzgebiet. Wird Poppers getrunken, ist die Wirkung um ein Vielfaches stärker. Die Folge: Ein Koma wegen zu wenig Sauerstoff im Blut kann auftreten.

Die Luzerner Staatsanwaltschaft warnt allerdings auch davor, Poppers zu inhalieren: «Eine Überdosis von Poppers kann auch durch das Inhalieren zu Blutdruckabfall, Schock, Blutarmut und zum Koma führen.»

Poppers sind indes nicht das einzige Thema, mit dem sich die Polizei an den aktuellen Fasnachtsbällen herumschlagen muss. Sie stellt fest, dass an diesen Anlässen vermehrt falsche Ausweise vorgewiesen werden, um Einlass zu erhalten. Die Masche: Jugendliche unter 16 Jahren würden den Ausweis einer anderen Person zeigen. Auch hier warnt die Staatsanwaltschaft: «Jugendliche müssen mit einem Strafverfahren und einem Eintrag ins Strafregister rechnen.»

Gewalt in der Notfallaufnahme

Ein Mann (20) beschimpfte und bespuckte am Samstag im Kantonsspital St.Gallen Polizisten – leider kein Einzelfall.

Vor einem Club im Osten St. Gallens ist es am Samstag gegen 1.30 Uhr zu einem Hand-gemenge gekommen: Ein betrunkener 20-Jähriger stürzte dabei und wurde derart verletzt, dass er mit der Rettungssanität ins Spital musste. Zuvor war er aus dem Club gewiesen worden, weil er dort Leute beschimpft hatte. In der Notaufnahme angekommen, rastete der Mann völlig aus: Die angeforderten Polizisten, die ihn beruhigen wollten, beschimpfte und bespuckte er. Der Querulant wurde schliesslich in polizeilichen Gewahrsam genommen. Ein Atemlufttest am Samstagmorgen ergab einen Wert von 1,25 Promille. Der Mann wird wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten gegen Polizisten angezeigt.

Ausraster nehmen zu

Zwar sind solche Extremfälle laut Polizeisprecher Benjamin Lütolf selten, die Zahl der Aus-raster gegenüber der Polizei nehme aber zu. «Unter Alkohol- oder Drogeneinfluss wissen die meist jüngeren Randalierer nicht mehr, was sie tun», sagt Lütolf. Im vorliegenden Fall habe sich der 20-Jährige laut Lütolf später entschuldigt: «Er konnte kaum glauben, wie er sich ver-halten hatte.»

Auch Joseph Osterwalder, Chefarzt der Zentralen Notfallaufnahme im Kantonsspital St. Gallen, stellt eine Zunahme von Fällen mit aggressiven Querulanten fest: «Die Hemms-chwelle für Gewalt ist deutlich gesunken.» Das Hauptproblem sieht Osterwalder vor allem in einer Gesellschaft, die den Alkoholkonsum junger Leute fördere.

September 2013

Dienstleistungsabbau beim Rettungsdienst?

Luzern Der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals wurde per April 2013 reorganisiert. Eine Kantonsrätin sieht einen Stadt-Land-Graben

«Der Regierungsrat hat meine Befürchtungen bestätigt», sagt die Luzerner Kantonsrätin Marlis Roos Willi (CVP, Geiss). Sie spricht damit die Antwort des Regierungsrats auf ihre Anfrage über die Reorganisation des Rettungsdienstes am Luzerner Kantonsspital (LUKS) an, mitunterzeichnet von Willi Knecht (SVP, Geiss).

Keine Notärzte auf dem Land

Per 1. April hat es beim Rettungsdienst am LUKS eine Änderung gegeben: Neu fahren bei Einsätzen mit vermuteter oder bestehender lebensbedrohlicher Situation (Dringlichkeits- stufe 1) ab den Standorten Wolhusen und Sursee keine Notärzte oder Anästhesiefach- experten - also Fachkräfte mit notfallmedizinischer Ausbildung - mehr mit.