11.März 2020

Auf dem Bauernhof

In der nichtbäuerlichen Presse lesen wir vor allem über Unfälle mit landwirtschaftlichen Traktoren und Maschinen. Doch auf ei-nem Hof lauern auch im Bauernhaus, im Stöckli, in den Ställen und Scheunen, auf dem Hofplatz oder im Garten viele Gefahren. Einerseits sind dies Gefahren, die in jedem privaten Haushalten auftreten können. Andererseits gibt es aber viele zusätzliche, die sich auf das Leben auf einem Bauernbetrieb beschränken.

Notfälle auf dem Bauernhof Ein Unfall auf einem Bauernhof stellt das gesamte Leben von einer Sekunde auf die andere völlig auf den Kopf. Parcours im Bereich eines landwirtschaft-lichen Betriebes verpackte Nadja Brunner und Natalie Cabelduc, Samariterlehrerinnen vom SV Sempach auf dem Hof Unterbürgle Rain für die Monatsübung der Samariter. Gemeinsam mit dem Vereinsarzt Dr. Cyrill Bühlmann erarbeiteten sie drei Arbeitsposten. Der Vereinsarzt übernahm an der Übung die Funktion als Notarzt. Nach der freundlichen Begrüssung und Rückblick auf die letzten Sanitätsdienste an der Fasnacht begaben sich die Samariter auf dem Hof zum ersten Posten. 

Ein verzweifelter Schrei ertönte aus der Remise. Offenbar musste hier was Schreckliches passiert sein. Zielstrebig lief eine Gruppe der Samariter zur Remise los. Hier trafen sie den Vater des Bauern auf dem Traktor mit laufendem Motor an. Beim Rückwärtsfahren hat er seine Enkelin Ronya mit dem Ladewagen überfahren. Als Sofortmassnahme wurde der Traktor gesichert und der Fahrer durch einen Samariter abseits des Geschehens psycho-logisch betreut. Behutsam ergriffen die Helfer das Mädchen, um es unter dem Ladewagen hervor zu ziehen. Es hatte innere Verletzungen, da das Rad ihr über den Bauch fuhr. Lau-fende Kontrolle der Vitalfunktionen und Überwachung des Allgemeinzustands bis zum Ein-treffen der Ambulanz war hier angezeigt.

Der Bauer war auf dem Heuboden mit Hofarbeiten beschäftigt. Plötzlich stürzte er über 3 Meter auf den Stallboden hinunter. Dabei zog sich der Mann unbestimmte, eher schwere Ver-letzungen zu. Durch seine Hilferufe wurden die Samariter auf ihn aufmerksam. Nach Siche-rung der Unfallstelle wurde dem Patienten mittels Halsschienengriff der Kopf stabilisiert. Er hatte sich eine Fraktur mit offenen Wunden am Arm zugezogen. Der Bodycheck ergab eine verminderte Sensorik an den Gliedmassen was auf eine Verletzung des Rückens hinwies. Weiterführende Massnahmen waren Stabilisierung des ganzen Körpers und verbunden mit der Wärmehaltung bis das 144 erschien.

Ein Kind berichtete, dass drei Personen beim Güllenrührwerk am Boden lägen. Einige Sama-riter erkannten die tödliche Gefahr in diesem Bereich nicht. Eine besondere Gefahrenquelle speziell in der Landwirtschaft stellt Schwefelwasserstoff, das beim Arbeiten mit Gülle frei wer-den kann, dar. Wird jemand in einer solchen Situation bewusstlos vorgefunden, zum Beispiel in einer Güllegrube oder bei einem Rührwerk, sollte der Ersthelfer auf keinen Fall zu ihm in die Grube steigen oder zu ihm gelangen, denn dann besteht die große Gefahr, dass auch er durch die gefährlichen Gase das Bewusstsein verliert. Die Patienten laut anrufen und sofort den Rettungsdienst inklusive Feuerwehr alarmiert. Wenn vorhanden sind Tore, Türen und Fenster von aussen zu öffnen. Ein solcher Unfallort kann nur mit einem umluftunabhängigen Atemschutz betreten werden. Eine einfache Atemschutzmaske hilft hier nicht. Nach Bergung der Verunfallten durch die Feuerwehr ist unverzüglich mit der Reanimation zu beginnen.

Nach dem Abschluss der Postenarbeit, wurden die Samariter mit Kaffee, Tee und Kuchen aus der Küche von Nadja Brunner versorgt. Die einzelnen Szenen wurden nochmals rege disku-tiert, so dass keine Fragen mehr offenblieben. Dr. Cyrill Bühlmann betonte noch einmal, wie wichtig der Selbstschutz sei. Herzlichen Dank an das TK für die realitätsnahe Übung auf dem Bauernhof.